GRUNDLAGEN DER NUKLEARMEDIZIN
Seit über 50 Jahren werden
nuklearmedizinische Methoden zu Diagnostik und Therapie verwendet. Die beiden
Grundprinzipien der Nuklearmedizin sind, dass (1) der Organismus verschiedene
Isotope eines Elements bei Stoffwechselvorgängen nicht unterscheiden kann und
(2) die radioaktiven Substanzen in
so geringer Menge angewendet werden, dass es dadurch zu keiner Beeinflussung der
Stoffwechselvorgänge kommt. Zur Diagnostik werden kurzlebige radioaktive
Isotope allein oder an ein Pharmakon gekoppelt dem Patienten verabreicht und
anschliessend mit einer Gammakamera die räumliche Verteilung im zeitlichen
Verlauf dargestellt. So können Stoffwechselvorgänge sichtbar gemacht werden
werden. Die nuklearmedizinische Funktionsdiagnostik beruht daher auf einem ganz
anderen Prinzip als die radiologischen bildgebenden Verfahren, welche die reine
Morphologie darstellen und prinzipiell ja auch bei Toten durchgeführt werden können.
Bei nuklearmedizinischer Therapie werden höherenergetische Radiopharmaka als
bei diagnostischen Methoden verabreicht, die im betreffenden Organ akkumulieren
und dieses von innen bestrahlen. Die Strahlenbelastung bei diagnostischen
nuklearmedizinischen Verfahren ist meist geringer oder vergleichbar mit einer
Computertomographie.
Verwendete Isotope
Zur konventionellen
nuklearmedizinischen Diagnostik werden meist Isotope mit kurzer Halbwertszeit
(Stunden bis Tage) verwendet, die Gammastrahlen abgeben. Gammastrahlen bedingen
eine niedrige Strahlenbelastung und können mit einer Gammakamera detektiert
werden. Das am häufigsten verwendete Isotop ist Technetium-99m (Tc-99m). Es hat
sehr günstige physikalische Eigenschaften: Tc-99m kann aus einem Generator
einfach eluiert werden, der an allen nuklearmedizinischen Zentren stets vorrätig
ist, hat eine niedrigenergetische Gammastrahlung und eine kurze Halbwertszeit
von 6 Stunden. Tc-99m kann an zahlreiche Substanzen gebunden werden. Weitere zur
nuklearmedizinischen Diagnostik verwendete Isotope sind unter anderem Jod-123,
Thallium-201 und Indium-111, vereinzelt auch Jod-131. Neben den konventionellen
Gammastrahlern gewinnt in letzter Zeit die Positronen-Emissions-Tomographie (PET)
immer mehr Bedeutung. Im Gegensatz zu konventionellen Gammastrahlern ist das
Charakteristikum der Positronenstrahler eine Strahlung, die in einem 180°
Winkel in entgegengestzte Richtungen abgegeben wird. Dadurch ist eine viel
bessere räumliche Auflösung möglich. Der wichtigste Positronenstrahler ist
Fluor-18, der eine Halbwertszeit von knapp 2 Stunden hat und in einem Zyklotron
hergestellt werden muss. Andere Positronenstrahler wie Kohlenstoff-11, Ammoniak
N-13, oder radioaktives Wasser H2O-15 haben noch viel kürzere
Halbwertszeiten und bleiben nur speziellen Zentren vorbehalten.
Einzelne nuklearmedizinische
Untersuchungen werden unmittelbar nach Applikation durchgeführt, je nach
Untersuchung kann die Zeit zwischen
Applikation des Radiopharmakons und Durchführung der Aufnahmen allerdings auch
mehrere Tage betragen.
Wichtige nuklearmedizinische
Messgeräte
Gammakameras
Die wesentlichen Bestandteile
einer Gammakamera sind der Szintillationskristall, mit dem die radioaktive
Strahlung detektiert wird und der im sogenannten Kamerakopf untergeracht ist und
ein Computersystem, das die räumliche Verteilung bzw. den zeitlichen Verlauf
der gemessenen Strahlung auswertet. Der schematische Aufbau einer Gammakamera
ist in Abbildung 1 dargestellt. Mit einer Gammakamera kann die räumliche
Verteilung in einer statischen Aufnahme bzw. der zeitliche Verlauf in
dynamischen Aufnahmen dargestellt werden (z. B. jede Minute ein Bild; Auwertung
der Akkumulation in einer gewissen Region mit einer Zeitaktivitätskurve). Eine
Gammakamera kann einen oder mehrere Detektorköpfe haben (Ein-, Zwei- bzw.
Dreikopfkamera). Neben planaren Bildern, die die Verteilung der Aktivität aus
einer Ebene darstellen, können die Köpfe der Kamera auch um den Patienten
rotieren. Anschliessend wird durch ein Computerprogramm die räumliche
Verteilung dreidimensional rekonstruiert und kann aus drei Schnittebenen
betrachtet werden: SPECT (Single Photon Emission Computed Tomography).
Abb.:
Gammakamera
PET-Scanner und Koinzidenzkameras
Mit PET Scannern können
Positronenstrahler (meist der radioaktive Zucker Fluor-18-Desoxyglucose, FDG)
dargestellt werden. Bedingt durch die physikalischen Grundlagen (Strahlung in
entgegengestzte Richtung im Winkel von 180° ist die räumliche Auflösung viel
besser und es können kleinere Strukturen dargestellt werden. Neben den PET
Ring-Scannern, die aus einem Ring von Detektoren bestehen, werden auch
Koinzidenzkameras verwendet, bei denen sich die Detektoren nur in zwei oder drei
rotierenden Köpfen befinden.
Nuklearmedizinische Scanner mit
Transmission und Bildfusion
Seit kurzem sind Geräte am Markt,
die in die nuklearmedizinische Kamera eine hochwertige Transmissionsquelle bzw.
einen Computertomographen eingebaut haben. Mit diesen Scannern können
pathologische Herde exakt räumlich zugeordnet werden.
Andere Messgeräte
Gamma-Sonden werden in erster
Linie dazu verwendet, um nach
peritumoraler Gabe von Tc99m markiertem Kolloid intraoperativ den "Wächterlymphknoten"
aufzuspüren. Gamma- bzw. Betacounter werden zur Bestimmung von Radioaktivität
in Messproben (z. B. Blut oder Serum) verwendet und mit Uptake Messplätzen wird
der Prozentsatz der applizierten Aktivität der in einem Organ zu einem
bestimmten Zeitpunkt enthalten ist, gemessen.
Strahlenexposition bei
nuklearmedizinischen Untersuchungen
Die Strahlenexposition bei
nuklearmedizinischen Untersuchungen ist in den letzten Jahren immer weiter zurückgegangen.
Auf der einen Seite wurden neue Radiopharmaka entwickelt, auf der anderen Seite
wurde die Kameratechnik immer weiter optimiert. Die Strahlenexposition bedingt
durch eine Schilddrüsenszintigraphie liegt bei 2 mSv (sprich: Millisievert);
dies entspricht ungefähr der Dosis, die ein Österreicher im Lauf eines Jahres
aus der Umgebung aufnimmt. Die meisten nuklearmedizinischen diagnostischen
Methoden bedingen Strahlendosen, die deutlich unter der einer
Computertomographie liegen, die 10-20 mSv verursacht.
Bei nuklearmedizinischer Therapie
(wo meist die höherenergetischen Betastrahler verwendet werden) ist die dadurch
bedingte Dosis höher. Allerdings betrifft diese vor allem das jeweilige
Zielorgan wie die Synovia bei der Radiosynoviothese oder die Schilddrüse bei
der Radiojodtherapie.
Häufige nuklearmedizinische
Methoden
Mit Hilfe von kinetischen
Untersuchungen wird der zeitliche Ablauf der Verteilung einer Substanz im Körper
und die Ausscheidung radioaktiver Stoffe erfasst. Die Stärke der statischen
Szintigraphie ist die Differenzierung zwischen funktionell aktivem und inaktivem
Gewebe, die durch räumlich besser auflösende, aber nur die Morphologie
wiedergebenden bildgebenden Methoden wie Ultraschall, Röntgenverfahren oder
Kernspintomographie meist nicht erhalten werden kann.
Die Abbildungen zeigen
szintigraphische Bilder verschiedener nuklearmedizinischer Untersuchungen