FEINNADELPUNKTION
DER SCHILDDRÜSE
Die
Feinnadelpunktion ist eine einfach durchführbare, für den Patienten
risikoarme und relativ schmerzlose Methode, mit der mit einer dünnen
Nadel Gewebe aus der Schilddrüse oder aus anderen Organen zur
Untersuchung einzelner Zellen oder Zellverbände gewonnen werden kann.
Die Punktion
von Gewebe als diagnostisches Hilfsmittel ist keine Erfindung der modernen
Medizin. Bereits Abulcasim, ein arabischer Arzt der von 936 bis 1013 n.Chr. lebte, berichtete über die Punktion von Schilddrüsen mittels
einer feinen Nadel. Im 19. Jahrhundert etablierte sich diese Technik bei
verschiedenen Anwendungen: Leydon beschrieb im Jahre 1883 die
Nadelpunktion als Methode, um pneumonische Mikroorganismen zu isolieren,
und 1886 diagnostizierte Menetrier mit der Nadelpunktion Lungenkarzinome.
Nach der Jahrhundertwende erschienen in Amerika mehrere Berichte über
gelungene Feinnadelpunktionen, bereits in den 40er Jahren war die Technik
voll entwickelt. Die Feinnadelpunktion kann bei zahlreichen Organen
angewendet werden, neben Brust, Lymphknoten, oder Lunge ist insbesondere
die Schilddrüse aufgrund ihrer leichten Zugänglichkeit von außen für
eine punktionszytologische Untersuchung sehr gut geeignet.
Insbesondere
in Jodmangelgebieten ist der Anteil an Patienten mit knotig umgeformten
oder regressiv veränderten Schilddrüsen hoch. Fast alle dieser Veränderungen
sind gutartig, und es müssen jene wenigen Patienten herausgefiltert
werden, bei denen ein Karzinom vorliegt. Für diese Fragestellung hat die
Feinnadelpunktion mit anschließender zytologischer Untersuchung einen
sehr hohen Stellenwert, der Auschluß von Malignität stellt auch die
Hauptindikation für eine Feinnadelpunktion der Schilddrüse dar.
Untersuchungsablauf:
Nach
Desinfektion der Haut wird eine feine Hohlnadel durch die Haut in die
Schilddrüse vorgeschoben. Eine lokale Betäubung erübrigt sich, da die
Nadel ja nur einmal eingestochen wird und für eine Betäubung ebenfalls
ein Einstich notwendig wäre. Unter sonographischer Kontrolle wird die
feine Nadel nun in jenen Teil der Schilddrüse vorgeschoben, der
untersucht werden soll. Nachdem mittels Ultraschall kontrolliert wurde, ob
die richtige Stelle erreicht ist, wird aus diesem Gebiet durch die
Hohlnadel eine Probe aus Zellmaterial angesaugt. Nach Entfernen der Nadel
genügt ein leichter Druck mit einem Wattetupfer auf die Punktionsstelle.
Bei
welchen Fragestellungen wird eine Feinnadelpunktion durchgeführt?:
o
Klinisch und/oder sonographisch bzw. szintigraphisch malignomverdächtiger
Schilddrüsenknoten
o
Planung des chirurgischen Vorgehens, wenn unabhängig vom zytologischen
Befund eine operative Sanierung geplant ist
o
Verdacht auf Lokalrezidiv bei bekanntem Schilddrüsenkarzinom
o
Verdacht auf Metastasen in der Schilddrüse
o
Knoten in der Schilddrüse bei Metastasen eines unbekannten Primärtumors
o
Entlastungspunktion bei großen Schilddrüsenzysten
o
Diagnose und Erregernachweis bei akuter eitriger Thyroiditis ohne
Indikation zur Chirurgie
o
Subakute Thyroiditis de Quervain bei diagnostisch unklaren Fällen
o
Chronische Immunthyroiditis bei diagnostisch unklaren Fällen
o
Herdbefund bei chronischer Immunthyroiditis zum Ausschluß eines Lymphoms
Gegenanzeigen
sind lediglich eine deutlich erhöhte Blutungsneigung oder die Einnahme
von gerinnungshemmende Medikation.
Voraussetzungen
zur Feinnadelpunktion sind, daß der durchführende Arzt in der
Punktionstechnik und der Pathologe in der zytologischen Beurteilung
erfahren sind; der Anteil an nicht beurteilbaren Punktaten sollte unter 10
Prozent liegen. Eine Schilddrüsensonographie wird vorher durchgeführt werden
(Differenzierung Zyste-Herdbefund, Beurteilung von Echogenität und
Randbegrenzung), auch eine Schilddrüsenszintigraphie sollte bereits
vorher angefertigt worden sein. Ist ein Knoten gut palpabel, so kann die
Punktion eventuell unter palpatorischer Kontrolle erfolgen. Nicht
eindeutig tastbare Knoten und kleinere Knoten werden in der Regel immer
unter sonographischer Kontrolle punktiert.
Die
diagnostische Wertigkeit der Feinnadelpunktion ist ausgesprochen hoch.
Sensitivität und Spezifität der Punktionszytologie liegt in bezug auf
den Nachweis maligner Tumore der Schilddrüse bei Untersuchern mit langjähriger
Punktionserfahrung und bei erfahrenen Zytopathologen bei 80 - 90%.